KirchGemeindePlus

Zusammenfassung

 

Der Prozess «KirchGemeindePlus» möchte die gesamte Zürcher Landeskirche erneuern. Gemäss Selbsteinschätzung der Kirchenleitung handelt es sich um die umfangreichste Reorganisation seit der Reformation. Was mit einem Postulat betreffend Kleinstgemeinden begann, ist zu einem kantonsweiten Grossprojekt verkommen, das sich in meiner Einschätzung eher zu einem Eigentor für die Volkskirche erweisen wird, als das es die wirklichen Probleme löst. Obwohl der bisherige Prozess in der Öffentlichkeit und in den Medien bisher meist sehr (zu) positiv dargestellt wird und obwohl zahlreiche Behördenmitglieder und kirchlichen Angestellten das Projekt begrüssen und unterstützen, gibt es nämlich sehr gute Gründe, sich zum bisherigen Prozess «KGplus» kritisch und skeptisch zu äussern.

Diese Zeilen stellen gleichzeitig einen Verbesserungsvorschlag vor, damit die Reorganisation der Zürcher Landeskirche dennoch gelingen kann und wirklich zukunftsfähig wird. Kirche muss im digitalen Zeitalter neu gedacht werden. Gleichzeitig muss das, was unsere Kirche heute noch ausmacht, nicht aufs Spiel gesetzt werden, sondern geschützt werden. Das Hauptproblem ist die statische Vermengung von Glaubensort, Glaubenspersonal und Glaubensgemeinschaft, die nicht mehr zeitgemäss ist.

Diese drei Elemente des kirchlichen Lebens (reale Orte, Institution, Gemeinde) müssen dynamisch aufeinander bezogen werden. Dann können alle nur gewinnen und unsere reformierte Kirche, die uns gerade in diesen Jahren des 500jährigen Reformationsjubiläums besonders am Herzen liegt, auch in Zukunft wachsen und gedeihen.

Argumente für die Infragestellung von «KGplus»

Einige Argumente für diese Haltung sehe ich zum Beispiel in den folgenden Punkten:

Der Prozess verschlingt Unmengen an Zeit, Energie und Geld. Behörden, Mitarbeitenden und Pfarrschaft beschäftigen sich mit sich selbst, statt ihre Ressourcen für das eigentliche Kirchenleben nutzen zu können. Gleichzeitig bleibt ihnen aufgrund der vielen Tagesaufgaben zu wenig Zeit, um sich mit der Materie wirklich vertieft auseinander zu setzen. Es bleibt bei einer oberflächlichen Beschäftigung, die letztlich wenig Nutzen hat.

Obwohl die Erfahrungen von vergleichbaren Prozessen in anderen Landeskirchen des Kontinents gezeigt haben, dass Zusammenlegungen von Kirchgemeinden nicht zum erwünschten Ergebnis geführt haben, sieht das Projekt «KGplus» vor allem Fusionen vor. Man verspricht sich dadurch Wachstum, obwohl etwas nur dann wächst, wenn es geteilt wird (z.B. die Zellen in einem Organismus oder das Teilen im Internet).

Zwar heisst das Projekt «KirchGemeindePlus», tatsächlich strebt es aber weniger Kirchgemeinden an. Man verspricht sich mehr Angebote und Dienstleistungen in grösseren Kirchgemeinden, in der Umsetzung werden es aber weniger sein (z.B. Gottesdienste).

 

Statt Strategien zu entwickeln, wie ausgetretene Mitglieder zurückgeholt und neue Mitglieder gewonnen werden könnten, stellt man sich auf den Mitgliederschwund ein und nimmt es als gegeben hin. Man beschränkt sich auf Schadenbegrenzung und Verzögerung der Entwicklung in der Hoffnung, dass die Volkskirche unsere Zeit überlebt.

 

Einerseits wird moniert, dass viele Lebenswelten sich von der Kirche verabschiedet hätten und dass nur noch die Traditionellen und Konservativen am Kirchenleben teilnehmen würden. Andererseits bewirkt man mit Fusionen, dass auch diese sich fragen werden, ob sie sich noch mit ihrer Kirche bzw. Kirchgemeinde identifizieren können. Wenn die konservativen und traditionellen Kräfte an etwas festhalten, sollte unbedingt vermieden werden, dass genau dies danach zu fehlen kommt. Sonst wird die Landeskirche auch sie verlieren.

 

Statt vor der tatsächlichen Umsetzung genügend über mögliche Modelle einer zukunftsfähigen und modernen reformierten Kirche nachzudenken und diese Modelle z.B. aufgrund von Computersimulationen zu erproben, strebte das Projekt «KirchGemeindePlus» von Anfang an eine schnelle Umgestaltung der kirchlichen Strukturen an. Ich werde den Verdacht nicht los, dass es sich insgeheim um ein Denkmal zum 500jährigen Reformationsjubiläum handelt, das sich einige setzen möchten. Am liebsten hätte das Projekt 2019, pünktlich zum 500jährigen Antritt von Zwingli am Grossmünster, abgeschlossen werden sollen. Inzwischen hat sich der Zeitplan als unrealistisch erwiesen. Mit diesem überstürzten Verwirklichungsstreben wird nicht nur die Chance vergeben, ein gesamtgesellschaftlicher Diskurs zum Kirchendasein zu initiieren, bei dem die Basis viel stärker hätte involviert werden können (ähnlich wie 1984). Sondern die überstürzte Realisierung führt auch zu einem unnötigen und schmerzhaften Lerning-by-Doing-Prozess, bei dem laufend Korrekturen nötig sind. Wenn schon bei einem Hausbau genaue Pläne vorliegen müssen, und wenn schon bei z.B. einem neuen Auto zuerst ein Prototyp gebaut wird, sollte es nicht auch bei der Reorganisation der Kirche nötig sein?

Nur selten habe ich bei normalen Mitgliedern Interesse und Wohlwollen in Bezug auf das Projekt «KirchGemeindePlus» gespürt. Innerhalb der Kerngemeinde machen eher Verunsicherung, Resignation oder Misstrauen die Runde. Ausserhalb wird der Prozess höchstens zur Kenntnis genommen und trotzdem danach gerufen, dass die Kirche sich ändern müsse. Auf der anderen Seite scheint ein Grossteil des Kirchenpersonals sich von diesem Projekt viel zu versprechen. Für diese (meist nur anfängliche) Euphorie gibt es verständliche Gründe, da niemand, - auch nicht ich, - bestreitet, dass unsere Landeskirche eine Strukturreform nötig hat, um dauerhaft zu leben und zu wachsen. Aus dieser Perspektive erscheint mir umso ärgerlicher, dass die Vernehmlassung zu «KGplus» selbstverständlich mit «der ganzen Kirchenpflege und der ganzen Mitarbeiterschaft einschliesslich Pfarrschaft» (S. 4) rechnet, um die Stimme der «Kirchgemeinden» zu vernehmen. Aus meiner Perspektive übt sich das Kirchenpersonal in Wunschdenken. Doch irgendwann wird es, - so fürchte ich, - die Täuschung erkennen und Enttäuschung erleben. Andererseits wird sich auf Seiten des Kirchenvolks spätestens dann Wut vor dem Scherbenhaufen breit machen. Jedenfalls verheisst die Volksabstimmung zur Teilrevision der KO meines Erachtens nichts Gutes.

 

«Kirche» im digitalen Zeitalter

Wir führen heute ein Leben, das sich in fast allen Belangen grundsätzlich und fundamental von dem unterscheidet, was vor uns war. Industrialisierung und Digitalisierung, - um nur zwei besonders wichtige Beispiele zu nennen, - haben das Leben und unsere Welt radikal verändert. Dramatisch hat es sich spätestens seit der Einführung der Smartphones verändert (iPhone erschien 2007).

 

Heute können wir theoretisch zu jedem Ort auf diesem Planeten reisen. Wir können uns auf dem ganzen Erdball potentiell so unterhalten, als stünden wir mitten auf dem Dorfplatz. In dieser Perspektive drängt sich natürlich die Frage auf, wie denn Kirche heute zu bestimmen sei, wenn «Ort» und «Zeit» ganz neue Erfahrungshorizonte und Möglichkeiten eröffnen. Eine vernünftige Umstrukturierung, Reorganisation und Erneuerung der Landeskirche kann meines Erachtens erst dann in Angriff genommen werden, wenn über die Auswirkung der Bedeutungserweiterung von «Ort» und «Zeit» auf die Kirche und das Kirchendasein nachgedacht wird, die im 21.sten Jahrhundert vonstattengeht.

Auf dem Weg zu einer Antwort empfiehlt es sich, die «Kirche», - wie sie bisher verstanden wurde, - auseinander zu nehmen und in die Elemente zu zerlegen, die sie ausmachen. Selbstverständlich gehört das Fundament der Kirche, Jesus Christus, - in der Bezeugung durch das Alte und das Neue Testament, - zu den Bedingungen «sine qua non» wie auch unsere Kirchengeschichte und theologischen Tradition zu den ursächlichen Voraussetzungen zu zählen sind, die unsere Kirche ausmachen. Auf der pragmatischen und performativen Ebene sind hingegen drei wichtige Elemente erkennbar, die zu unterscheiden sind:

  • Die «Kirche» als Gotteshaus samt allen kirchlichen Räumlichkeiten (Kirchgemeindehaus, Pfarrhaus, etc.). Diese sind reale «Orte» des Kirchenlebens.
     

  • Die «Kirche» als Gemeinschaft von Getauften, die Gottesdienste feiert, Nächstenliebe übt, den eigenen Glauben reflektiert und weitergibt, usw. Profan sind es letztlich die Mitglieder, die Kirchensteuern zahlen.
     

  • Die «Kirche» als Institution und Organisation samt allen kirchlichen Mitarbeitenden, Ämtern und Gesetzen. Diese gestalten und ermöglichen das kirchliche Leben. Sie sind die Empfänger der Kirchensteuern, die es verteilen und einsetzen.
     

Jede Kirchgemeinde bzw. Landeskirche lebt durch das Zusammenwirken dieser drei Elemente. Auf einer elementaren Ebene braucht es zumindest einen Ort, einige Gläubige und einen Pfarrer, damit es kirchliches Leben geben kann.

 

Beim aktuellen Verständnis von Kirchgemeinde sind diese drei Elemente sehr statisch aufeinander bezogen. Nur die Ortsgemeinde feiert in der Dorfkirche; Kirchensteuerzahler gehören automatisch der Kirchgemeinde des Wohnortes; das Bodenpersonal ist meist fest einem Ort und einer zahlenden Mitgliederzahl zugewiesen. Aufgrund der veränderten Voraussetzungen wäre es aber viel zeitgemässer und besser, wenn diese drei Elemente dynamisch aufeinander bezogen wären.

 

Meines Erachtens müsste deshalb das erste Ziel eines Projektes wie «KGplus» sein, einen Plan zu entwickeln, Gebäude, Personal und Mitglieder dynamisch aufeinander zu beziehen. Mir kommt es beim aktuellen Projekt mit der Fixierung auf Zusammenschlüsse manchmal so vor, als würde man mit Mitteln aus der Steinzeit sich für das digitale Zeitalter fit machen wollen. Das kann und wird nicht funktionieren. Ein Umdenken ist dringend nötig.

 

Anregungen und Visionen für ein revidiertes Projekt

Damit eine Reorganisation der Landeskirche gelingen kann, müssen die drei Elemente zunächst für sich betrachtet werden. Erst nachdem die je unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnisse der drei ‚Gesichter‘ einer Kirchgemeinde analysiert werden, kann sinnvoll und zweckmässig über eine dynamische Zuordnung nachgedacht werden.

 

Das Bodenpersonal möchte im Rahmen des Möglichen aufgrund der Fähigkeiten, namentlich Ausbildung und Talente, sowie aufgrund der persönlichen Interessen und Neigungen eingesetzt werden. Es wird sich umso mehr engagieren und entfalten, je mehr es zum Kirchgemeindeleben passt, das es zu organisieren und zu gestalten hat. Auf der Stufe einer Kirchgemeinden gibt es drei Ebenen von Bodenpersonal:
1) freiwillig mitarbeitenden Personen
2) vertraglich angestellte Personen
3) in ein Amt gewählte Personen

 

Kirchliche Orte sind reelle (oder vielleicht bald auch virtuelle) Räumlichkeiten, wo sich das Kirchenleben abspielen kann. Sie müssen verwaltet, unterhalten und vor allem belebt werden. Diese Kirchenorte sind also auf Bodenpersonal angewiesen, das sie bewirtschaftet und pflegt, sowie auf Mitglieder, die bereit sind, das dort entstandene Kirchenleben zu finanzieren. Auch hier sind drei Arten von kirchlichen Orten unterscheidbar:
1) ‚Reine‘ Gottesdienstorte (Kirchen, Andachtsräume, etc.)
2) Orte des übrigen Kirchgemeindelebens (Kirchgemeindehäuser u.ä.)
3) Räumlichkeiten für das Bodenpersonal (Pfarrhäuser, Wohnungen, Arbeitsräume)

Das Mitglied möchte im Rahmen des Möglichen auswählen können, wohin seine Kirchensteuern fliessen, an welchem Kirchenleben es teilnehmen oder welches Kirchenleben es zumindest mittragen will. Grundsätzlich hat ein Mitglied drei Wahlbereiche:
1) Bodenpersonal, das zu ihm passt
2) Profil der Kirchgemeinde, zu dem es sich zugehörig fühlen kann
3) Kirchliche/r Ort/e, dessen/deren Kosten er mittragen will

Während das Mitglied das volatilste Element ist, gehören die kirchlichen Orte mit oft langer Geschichte und mit meist ortsprägenden Charakter zum Element, das sich am langsamsten verändern kann und soll. Das Bodenpersonal liegt dazwischen, braucht es doch eine gewisse Sicherheit und die Möglichkeit, sich von der Kirchgemeinde zu lösen, für die es sich engagiert (Freiwillige), für die es arbeitet (Angestellte) oder für die es ein Amt übernimmt (Gewählte).

 

Statt Kirchgemeinden zu fusionieren in der (leider) falschen Hoffnung, das kirchliche Leben würde sich dann entfalten, - das wird es sich nämlich bestimmt nicht, - sollte die Entfaltung des kirchlichen Lebens durch folgende (Vorsichts-)Massnahmen ermöglicht werden:

1)      Die kirchlichen Orte sind in ihrer spezifischen, lokalen Bedeutung und Verankerung zu würdigen und zu belassen. Je mehr kirchliche Orte einer Kirchgemeinde gehören, umso kleiner ist ihre eigene Bedeutung und umso weniger spezifisch können sie bedient werden. Eine Kirchgemeinde braucht nicht möglichst viele kirchliche Orte, sondern das Gegenteil ist richtig: Ein kirchlicher Ort verträgt an und für sich mehrere Kirchgemeinden, die dort Kirche leben und Gemeinde sind. Wer das nicht glauben kann, soll an Paritätskirchen erinnert werden.

2)      Das Bodenpersonal darf nicht überfordert werden. Die Anzahl der Mitglieder muss überschaubar sein, damit es seinen Dienst in befriedigender Art und Weise erbringen kann. Es muss seinen Dienst gerne machen und die Aufgaben müssen zu bewältigen sein. Bei grossen Kirchgemeinden mit vielen kirchlichen Orten kann das Bodenpersonal gar nicht recht wissen, wo es eigentlich hingehört und was sein Dienst bei dem Riesenberg an Aufgaben genau ist. Je grösser eine Kirchgemeinde ist, umso beliebiger und unverbindlicher werden die Beziehungen zum Mitglied und zum kirchlichen Ort. Die Voraussetzungen für gutes Bodenpersonal sind umso anspruchsvoller, je grösser eine Kirchgemeinde ist. Diese erhöhte Notwendigkeit an Professionalität bedeutet aber, dass nicht mehr Personen für das Bodenpersonal zur Verfügung stehen, sondern weniger! In einer überschaubaren, kleinen Kirchgemeinde kann zum Beispiel beinahe jedes Mitglied ein Amt (Kirchenpflege) übernehmen.

3)      Ein Mitglied darf nicht gezwungen werden, einer Kirchgemeinde anzugehören, von dem es keine Ahnung hat, woraus sie besteht und wer dafür arbeitet, und die es gar nicht kennenlernen kann, weil sie viel zu gross und komplex ist. Ein Mitglied soll möglichst viel wählen können, gleichzeitig aber nicht zu einer Wahl gezwungen werden. Da die Zugehörigkeit zur Landeskirche bereits eine allgemeine Mitgliedschaft ist, kann es auf der Ebene der Kirchgemeinde keineswegs sein, dass die Zugehörigkeit des Mitglieds unscharf ist und schwer lokalisierbar. Kirche sollte das Gegenteil von anonym und unpersönlich sein.

Kirche und Staat sind trotz aller Entwicklungen noch erfreulich eng miteinander verbunden und einander partnerschaftlich verpflichtet. Es sind aber notabene nicht allein die (leider rückgängige) Mitgliederzahl oder gar der Wähleranteil, die unsere Kirche als Landeskirche in diesem Land bzw. Kanton ausweisen und begründen. Sondern es sind vor allem auch die Dorf und Stadt prägenden kirchlichen Orte sowie die gesellschaftlichen Errungenschaften, die wir und mit uns alle Bewohner unseres Kantons der Geschichte der Zürcher Kirche zu verdanken haben. Überhaupt existiert dieser moderne Staat meines Erachtens vor allem aufgrund unserer konfessionellen Vergangenheit.

 

Nichtsdestotrotz ist eine Entflechtung von Kirche und Staat im Gange, die auch eine Entflechtung von politischer Gemeinde und Kirchgemeinde ist. Seitens der politischen Gemeinde sind uns die Dienste der Steuereinnahmen und der Wahlgeschäfte geblieben. Doch eigentlich sind unsere wahlberechtigten Mitglieder längst nicht mehr mit den politischen Wahlberechtigten übereinstimmend. Deshalb liegt die Möglichkeit, den Mitgliederkreis einer Kirchgemeinde von der Bindung an die lokale politische Gemeinde zu lösen, auf der Hand.

Dies heisst zugleich nicht, dass die heutigen gut funktionierenden Gemeinden zu einer Zusammenarbeit oder gar Fusion gedrängt werden müssen. Doch es sollte die Möglichkeit geschaffen werden, dass sich Mitglieder zu einer Kirchgemeinde formieren, die einen für sich geeigneten Ort erst suchen müssen. So wäre der Exodus aus den reformierten Kirchgemeinden zumindest teilweise eine Verschiebung von einer territorialen zu einer überterritorialen Kirchgemeinde. Der Vorteil dabei wäre, dass dies ein natürlicher Prozess wäre, nicht ein forcierter Prozess, der wegen eines (eigentlich stupiden) Datums als Nacht-und-Nebel-Aktion durchzuboxen ist. Natürlich gälte es zu definieren, was die Grundversorgung umfasst und was geleistet werden muss, damit eine Grösse als Kirchgemeinde angesprochen werden kann. Nach Handlungsfelder wäre dies grob skizziert:

Natürlich gälte es zu definieren, was die Grundversorgung umfasst und was geleistet werden muss, damit eine Grösse als Kirchgemeinde angesprochen werden kann. Nach Handlungsfelder wäre dies grob skizziert:

-        Gottesdienstangebot gemäss KO, Kasualien-Sicherung

-        Seelsorge: persönlicher Bezug zu einer Person des Bodenpersonals

-        Bildung: Organisation und Durchführung nach rpg

-        Leitung: Administrative und geistliche Verwaltung der Kirchgemeinde

Dies bedeutet keineswegs, dass jede solcher künftiger Kirchgemeinden alles selbst leisten müsste. Sondern es ist denkbar, dass Kirchgemeinden mit virtuellem Charakter Leistungen von anderen Kirchgemeinden einkaufen würden. Deshalb ist die Leitung einer Kirchgemeinde die erste Bedingung. Das Herz einer jeder Kirchgemeinde, die gottesdienstliche Feier in aller seiner Variationen, kann auch etwas sein, was zum Teil in Synergien mit anderen, z.B. territorialen Kirchgemeinden sichergestellt werden könnte. Doch dies würde natürlich bedeuten, dass ein System benötigt wird, um diese Einkäufe von Leistungen bzw. diese Beteiligungen an die Kosten des Kirchenlebens einer anderen Kirchgemeinde zu regeln.

 

Das Wichtigste überhaupt ist aber, dass wir jedem Mitglied die grösstmögliche Freiheit innerhalb der landeskirchlichen Strukturen auf kantonaler und kirchgemeindlicher Ebene ermöglichen, die ihm auch kraft des christlichen Glaubens nach reformierter Prägung in unser heutigen, digitalen Welt hätte längst zugestanden werden müssen.

 

Wir haben nicht nur die technischen Möglichkeiten, um Geldfluss und Mitgliederdatenbanken besser und zeitgemässer nach den Wünschen des Mitglieds zu regeln, sondern es wäre heute mittels Computersimulationen möglich, Entwicklungen von rein territorialen zu einer Mischung von territorialen und virtuellen Kirchgemeinden zu simulieren.

 

Kirche muss im digitalen Zeitalter neu gedacht und auf der realen Ebene der Kirchgemeinde neu definiert werden. Diese Aufgabe gehört meines Erachtens zu den dringenden, geistlichen Pflichten einer landeskirchlichen Leitung der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts.

 

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